Herzlich Willkommen

Besuch aus dem Land der Wüsten und Savannen

 Ankunft

So etwas hat eine Finnentroper Schule wohl noch nie erlebt. Es ist Dienstag, der 12. Mai 2015. Und es ist „ganz großer Bahnhof“ auf dem Schulhof im Schulzentrum Finnentrop.

 

 

Eingerahmt von Schulleiterin Monika Storm, Bürgermeister Dietmar Heß, Konrektor Thorsten Vietor und dem ehemaligen Schulleiter der Katholischen Grundschule Fretter Peter Mußler durchschreiten zwei dunkelhäutige Besucher, Mr Talaska Mutuso, Sport- und Mathelehrer der Tobias Hainyeko Primary School in Windhoek und Ms Welfried­tine Naobes, Schulleiterin der Tsaraxa-Aibes Com­bined School in Otjiwarongo, ein Spalier aus winkenden und Beifall klatschenden, in grüne, blaue, rote und gelbe T-Shirts gekleideten Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Finnentrop. Beim Betreten der Eingangshalle der Schule erklingt die Nationalhymne des südwestafrikanischen Staates Namibia, gesungen vom Schulchor und gespielt vom Schulorchester.

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Am Tag zuvor hatte Herr Mußler als Gastgeber von Herrn Mutuso die beiden Besucher in der Sportschule Kaiserau abgeholt, ins Sauerland gebracht und Frau Naobes in Grevenbrück bei ihrer Gastgeberin Frau Storm abgeliefert. Für zwei Wochen sind die beiden Lehrer aus dem zehn Flugstunden entfernten Namibia hier zu Gast, um ihre deutschen Partner­schulen, die Grundschule Fretter und die Gesamtschule Finnentrop, deren Schülerinnen und Schüler und die Lehrerkollegien, aber auch Land und Leute kennen zu lernen. Sie wollen sich vertraut machen mit der Art des Unterrichtens in deut­schen Schulen und mit den hier zur Verfügung stehenden Unterrichtsräumen und –hilfsmitteln. Aber sie wollen auch ihren Gast­ge­bern ihr Land und die beengten Möglichkeiten, unter denen an ihren Schulen gearbeitet werden muss, näher bringen. Daher sind die Vor­mittage durchweg ausgefüllt mit Hospitationen im Unterricht an der jeweiligen Partnerschule und vielen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern sowie mit Lehrerinnen und Lehrern.

Für die Nachmittage und vor allem für die gerade in der ersten Woche anliegenden schul­freien Tage ist im Vorhinein bereits ein umfängliches Programm ausgearbeitet worden:

Das beginnt gleich am Dienstagnachmittag mit einem Besuch der Burg Schnellenberg, die unter fachkundiger Leitung des Attendorner Stadtführers Peter Höffer bis in kleinste, dem „normalen“ Besucher gar nicht zugängliche, Winkel führt. Dabei werden weder die alte Schlosskapelle noch der Dachstuhl des Gebäudes und auch nicht die Spitze des ältesten Teils der Burg, des Bergfrieds, ausgelassen und viele historische Details, aber auch interessante „Histörchen“ berichtet.

Zum Mittwochabend haben Frau Storm und ihr Mann, beide begeisterte Amateurtänzer, die beiden Gäste zusammen mit Herrn Mußler und seiner Frau zu einer Tanzveranstaltung in die Attendorner Stadthalle eingeladen. Alle genießen einige fantastische Tanzdarbietungen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Halle. Und natürlich sind auch alle beeindruckt von den Tanzkünsten des Gastgeberpaares.

Am Himmelfahrtstag führt das Ehepaar Storm Herrn Mutuso und Frau Naobes in Nordrhein-Westfalens größte Stadt nach Köln, wo sie natürlich in aller Ausführlichkeit Deutschlands meist besuchte Sehenswürdigkeit, den gotischen Kölner Dom besichtigen und anschließend den Rhein über die Hohen­zollern­brücke zum Stadtteil Deutz überqueren. Dieser Tag beschert den Besuchern bleibende Eindrücke aus einer Stadt, die allein halb so viele Einwohner hat wie das gesamte Land Namibia.

Für den Freitag hat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) zu einer Feier zum 20. Jahrestag der freundschaftlichen Verbindung zwischen dem FLVW und der Namibian Football Association (NFA) eingeladen, zu der Frau Seretny und ihr Lebensgefährte zusammen mit Herrn Mußler Frau Naobes und Herrn Mutuso begleiten. Erst am späten Abend und nach vielen interkontinentalen Gesprächen geht es wieder zurück ins Sauerland.

Am Samstag zeigt Herr Zimmermann zusammen mit Herrn Mußler den beiden afrikanischen Kollegen die „westfälische Hauptstadt“ Münster. Sie lernen dann auch gleich die wichtigste Münsteraner Regel kennen, dass es nämlich in Münster „entweder regnet oder die Glocken läuten. Und wenn beides zusammenkommt, dann ist Sonntag.“ Da es ja Samstag ist, regnet es, und zwar ausgiebig und anhaltend. Dennoch verliert niemand die gute Laune, und unsere Besucher erleben eine sehr interessante Führung durch den Dom und die historische Altstadt einschließlich des Friedenssaals, eine wunderschöne Kutschfahrt durch die Münsteraner Innenstadt, ein opulentes Mittagsmahl und einen kleinen Einkaufsbummel zum Erwerb von Souvenirs für die Lieben im fernen Südwesten Afrikas. Mit dem ICE geht es zurück nach Hagen und von dort (mit Verspätung, wie es sich für die Deutsche Bahn gehört) schließlich nach Finnentrop.

Der Sonntag bringt wieder etwas schöneres Wetter und einige tief beein­druckende Momente für zwei Menschen aus Afrika in Deutschlands schönster Tropfsteinhöhle, der Attendorner Atta-Höhle. Eine diesmal etwas größere Gruppe, nämlich Herr und Frau Mußler mit Nichte Lisa, Frau Seretny sowie die gesamte dreiköpfige Familie Hesener begibt sich von dort aus mit dem „Biggolino“ zur Anlegestelle in der Waldenburger Bucht, wo sie dann zur freudigen Überraschung von Talaska Mutuso noch auf zwei junge Damen, Anna Wichtmann und Alexandra Müller aus Fretter, treffen. Die beiden Mädels – eine davon die Tochter der Fretteraner Schulleiterin – hatten im letzten Jahr die Tobias Hainyeko Primary School zwei Wochen lang besucht und unseren männlichen Gast dort natürlich sehr gut kennengelernt. Zusammen geht’s aufs Schiff zu einer zweistündigen „Kreuzfahrt“ über den Biggesee.

Der Montag vergeht weitgehend mit Hospitationen in unterschiedlichen Klassen der Gesamtschule und der Realschule für beide Kollegen. Im Gegenzug sind sie dann am Dienstagmorgen beide in der Grundschule Fretter zu Gast.

Der Mittwoch bringt den Höhepunkt des Besuches mit dem Empfang der namibischen U19-Nationalmannschaft und ihres gesamten Betreuerstabes unter Führung des Staatssekretärs im namibischen Sportministerium, Mr. Bernard Kaanjuka und unseres heimischen FLVW-Jugendbeauftragten Michael Olberts. In der Mensa des Schulzentrums gibt es eine von drei Schülerinnen moderierte Fragestunde, bei der die Schüler der drei vertretenen Schulen Gelegenheit haben, aus erster Hand von Spielern und Betreuern interessante Einzelheiten aus ihrem Leben und ihrem Land zu erfahren.

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Daran schließt sich ein ausgesprochen spannendes „Länderspiel“ zwischen den Namibiern und einer von Sportlehrer Michael Hesener zusammengestellten und trainierten Auswahl aus fünf Finnentroper Vereinen an, das bis kurz vor dem Abpfiff offen bleibt und erst in den letzten drei Minuten zugunsten der afrikanischen Gastmannschaft mit 2:0 entschieden wird.

Freundschaftsspiel

Alle Spieler, Betreuer und Lehrer sind nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa dann noch zu einem kleinen Empfang bei Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß im Rathaus geladen, der noch einmal nach den offiziellen Reden in eine muntere Gesprächsrunde mündet, bei der auch einige der namibischen Gastspieler ihre z. T. hervorragenden Deutschkenntnisse unter Beweis stellen können.
Die Presse berichtet in den darauf folgenden Tagen begeistert von diesem außergewöhnlichen Ereignis.

Am Donnerstagnachmittag besuchen die beiden Lehrer nach den morgendlichen Hospitationen in ihren beiden Partnerschulen noch mit der Gemeinschaftshauptschule die letzte der drei Schulen des Schulzentrums, besichtigen die beeindruckenden Fachräume und stellen sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse.

Dann ist auch schon wieder die Zeit für den Abschied gekommen: Am Freitag nach den morgendlichen Unterrichtsbesuchen und dem Abschied von den Schülern gibt es noch ein gemeinsames „Barbecue“ auf dem Schulhof der Gesamtschule mit Lehrern, Elternvertretern und Gästen.

Und schließlich verabschieden sich unsere beiden, allen Beteiligten ans Herz gewachsenen Besucher und laden ihr Gepäck in Michael Heseners Auto, der sie zurückbringt nach Kaiserau. Von dort aus geht es am nächsten Tag mit dem Bus zum Frankfurter Flughafen, von wo aus sie die Heimreise über wiederum 10 Flugstunden nach Windhoek, Namibia, antreten werden.

 

Bericht von Peter Mußler

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